13. Islamisches Lager, Mannenbach (TG), 2003

Bericht von Hamit Duran, Turgi.
 

Das 13. islamische Lager fand vom 22. bis 24. August 2003 in Mannenbach am Untersee (Bodensee) statt. Mit etwas über 80 Teilnehmern war der diesjährige Anlass zwar gut besucht, jedoch bei weitem nicht so überfüllt wie im letzten Jahr. Auf der einen Seite war dies natürlich schade, auf der anderen Seite konnten wir aber vom üppigen Platzangebot profitieren.

Eva Hanafi – Die Zeichen der Stunde

Das Lager wurde am Freitagabend mit einen Vortrag von Schwester Eva Hanafi aus Nuglar (SO) eröffnet. Sie sprach zum Thema „Die Zeichen der Stunde.“ In unseren Gebeten werden wir täglich ca. 40 mal an die Zeit der Auferstehung erinnert, aber niemand ausser Allah (t.) weiss, wann die Stunde eintrifft. Im Qur’ân wird zwischen drei Arten der Zeichen der Stunde unterschieden:

  1. Zeichen, die schon sehr bald eintreffen (oder schon eingetroffen sind)
  2. Zeichen, die erst später eintreffen werden
  3. Zeichen, die erst unmittelbar vor der Stunde eintreffen werden

Ihre Ausführungen bereicherte Schwester Eva mit einigen Beispielen aus Qur’ân und Sunna:

  •     Der Rauch
  •     Das Tier (Dâbbet ul-Ard)
  •     Der Daddschâl
  •     Der Masîh (Rückkehr von Isâ (a.s.))
  •     Gog und Magog (Ya’dschûdsch wa Ma’dschûdsch)
  •     Der Sonnenaufgang im Westen
  •     Das Blasen in die Sûr
  •     etc.

Eine angeregte Diskussion beendete dann diesen interessanten Vortrag.

P. Alimi und H. Hatipoglu – Öffentlich-rechtliche Anerkennung

Der Samstagmorgen begann nach dem Frühstück mit einem Beitrag von Petrit Alimi aus Kriens (LU) zum Thema „Stand der öffentlich-rechtlichen Anerkennung des Islam im Kanton Luzern.“ Bruder Petrit berichtete über die Aktivitäten der VIOKL (Vereinigung Islamischer Organisation im Kanton Luzern, www.islam-luzern.ch). Die VIOKL wurde am 26.1.2001 gegründet und umfasst die bosnisch-islamische, die albanisch-islamische, die türkisch-islamische und die arabisch-islamische Gemeinschaft. Daneben gehört noch der Islamische Frauenverein im Kanton Luzern (IFVKL) sowie ab 2004 auch die Eyüp-Moschee in Reussbühl dazu. Alle Aktivitäten drehen sich im wesentlichen um die zentrale Frage, wie wir Muslime die Anerkennung in der hiesigen Mehrheitsgesellschaft erlangen können. Hauptziel der VIOKL ist deshalb die öffentlich-rechtliche Anerkennung im Kanton Luzern. Zu diesem Zwecke wurde bereits im Januar 2003 ein Vorprüfungsgesuch zur Gründung einer muslimischen Gemeinde bei den Behörden eingereicht. Eine Antwort wurde ursprünglich auf Ende Mai 2003 versprochen, diese blieb aber bis jetzt aus, da die Behörden festgestellt haben, dass sie zuerst im Kantonsarchiv Recherchen vornehmen müssen… Trotzdem stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Petrit Alimi während seines Referates öffentlich-rechtliche Anerkennung bis zur geplanten kantonalen Verfassungsrevision, die im Jahre 2007 dem Stimmvolk vorgelegt werden soll, durchkommt (siehe auch www.neueverfassung.lu.ch).

Auf die Ausführungen von Bruder Petrit Alimi folgte ein Beitrag von Hasan Hatipoglu aus Oetwil a.d. Limmat zum Thema „Stand der öffentlich-rechtlichen Anerkennung des Islam im Kanton Zürich.“ Die Vereinigung der islamischen Organisation in Zürich (VIOZ) ist mittlerweile schon 7 Jahre alt. Folgende Ziele standen und stehen dabei im Vordergrund:

  • Öffentlich-rechtliche Anerkennung
  • Aufbau eines islamischen Zentrums in Zürich
  • Einrichtung eines islamischen Friedhofs oder von muslimischen Grabfeldern

Ein Ziel konnte mittlerweile erreicht werden, alhamdulillah: die Einrichtung eines muslimischen Grabfeldes in Zürich-Witikon.

Bruder Hasan erwähnte, dass bereits 1982 ein Vorstoss zur öffentlich-rechtlichen Anerkennung unternommen worden war, und zwar von der jüdischen Gemeinschaft. Ziel war es, die Anerkennung des Judentums bereits in der Verfassung zu verankern. Dies wurde aber abgelehnt. Auch der Versuch, das Kirchengesetz entsprechend zu ändern fand bei der Wählerschaft keine Zustimmung.

Ein zweiter Anlauf wurde dann 1992 gestartet mit dem Ergebnis, dass die öffentlich-rechtliche Anerkennung für andere Religionsgemeinschaften im Herbst 2003 dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden wird. Die Religionsgemeinschaften haben, bei Annahme der Vorlage, zwei Möglichkeiten:

  • die «grosse» Anerkennung als Gemeinde
  • die «kleine» Anerkennung als Verein

Im Moment unterstützen nur die Grünen und ein Teil der SP die Vorlage. Man darf also gespannt sein.

Moussa El-Desouky – Das Leben von `Umar (r.a.)

Nach einer kurzen Pause folgte an diesem Morgen dann noch ein Vortrag von Moussa El-Desouky aus Hünenberg zum Thema „Das Leben von `Umar (r.a.).“ Darin berichtete er über das Leben und die Leistungen eines der engsten Weggefährten unseres Propheten Muhammad (a.s.). Er fordere uns dabei immer wieder auf, uns denn Sinn des Tauhîd zu vergegenwärtigen und in unserem Leben zu umzusetzen.

Ausflug und Wanderung

Während der Vorträge am Morgen wurde ein Islamunterricht für Kinder von engagierten Schwestern des Vereins für islamische Religionspädagogik Schweiz (VIRPS, www.virps.ch) organisiert.

Nach dem Mittagessen hatten die Teilnehmenden dann mehrere Möglichkeiten für die Gestaltung des Nachmittags: Baden im Bodensee (der im übrigen sehr wenig Wasser hatte…), eine Schifffahrt nach Reichenau oder eine Wanderung mit anschliessendem Besuch des Napoleon-Museums in Arenenberg (www.arenenberg.ch). Natürlich stand es einem auch frei, den Nachmittag in der Umgebung des Hauses zu verbringen und das schöne Wetter bei Sport und Spiel oder auf der wunderschönen Terrasse mit Seesicht zu geniessen.

Rahana Schuler – Politische Beteiligungsmöglichkeiten

Nach dem köstlichen Abendessen stand dann das letzte Referat des Tages auf dem Programm, und zwar von Rahana Schuler aus Langnau am Albis zum Thema „Politische Beteilungsmöglichkeiten für Muslime auf lokaler und nationaler Ebene.“

Es braucht viel Wille und Geduld, wenn man sich in der Schweiz politisch betätigen will. Auch ist es wichtig, als Migrantin oder als Migrant, die eigene Kultur, Sprache und Religion gut zu kennen. Dies gibt viel Kraft. Eine der zentralen Aussagen Schwester Rahanas war auch, dass wir mit dem System arbeiten müssen, um es verändern zu können. Dass dies natürlich nicht bei allen Zuhörern auf uneingeschränkte Zustimmung stiess, ist wohl selbstredend. Eine angeregte Diskussion war das Resultat. Schwester Rahana stellte dann die SP Migration (www.sp-migration.ch), der sie im Vorstand angehört (sie ist jedoch nicht Parteimitglied), als eine Möglichkeit vor. Diese wurde vor 5 Jahren gegründet mit dem Ziel, das politische Mitspracherecht von Migrantinnen und Migranten zu fördern. Zu diesem Zwecke wurde die Liste 15 Secondas Plus aufgestellt, der auch einige mehr oder weniger bekannte muslimische Persönlichkeiten angehören. Da der Vortrag dann jedoch von einigen Zuhörern immer mehr als eine Art Werbeveranstaltung für die SP Migration aufgefasst wurde, entbrannte eine hitzige Diskussion über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion. Erst zu fortgeschrittener Stunde konnten die Gemüter dann beruhigt und der Vortrag beendet werden.

Aicha Bendahou – Islamunterricht in der Schweiz

Kinder beim islamischen Unterricht Der Sonntagmorgen startete mit einer Präsentation der Kinderarbeiten von Schwester Aicha Bendahou aus Oberweningen. Sie stellte zunächst das Institut für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD, www.ipd-koeln.de) in Köln vor, das momentan den zweiten Kurs zur Ausbildung von muslimischen Religionspädagoginnen in der Schweiz abschliesst. Die Schwestern, die diesen Kurs bereits absolvierten, haben den Verein für islamische Religionspädagoginnen Schweiz (VIRPS, www.virps.ch) gegründet. Einige der Religionspädagoginnen haben, wie u.a. in der Schweizer Presse nachzulesen war, sogar mit Islamunterricht an öffentlichen Schulen begonnen.

Schwester Marianne Bekhtari aus Rüthi (SG) stellte dann noch kurz die während des am Lager durchgeführten Islamunterrichts behandelten Kinderarbeiten vor.

Abschliessend stillten dann die Teilnehmer ihren Hunger bei einem reichhaltigen Morgenbrunch. Mit dem Aufräumen und Putzen endete dann auch das 13. Islamische Lager, alhamdulillah.

An dieser Stelle sei nochmals allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Wie immer können die Vorträge auf Audiokassette bei der Redaktion bestellt werden.

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