17. Islamisches Lager, Mannenbach (TG), 2007

Bei herrlichem Wetter konnten die Teilnehmer dieses Jahr ein etwas anderes Lager geniessen. Scheykh Hassan Dyck entführte seine Zuhörer mit seiner klassisch-modernen Sufi-Musik in eine andere Welt.

von Hamit Duran, Turgi

Mit knapp 100 Teilnehmern war das 17. Islamische Lager in Mannenbach gut besucht. Das angemietete Kurs- und Ferienhaus «Wartburg», das früher einmal ein gediegenes Hotel an vorzüglicher Lage war, eignete sich mit seinen geräumigen und komfortabel eingerichteten Zimmern hervorragend für diesen Anlass.

Hauptgast war dieses Mal Scheykh Hassan Dyck aus Deutschland (www.hassandyck.de). Schon während seinem Musikstudium in Berlin (1966-71) begann Hassan Dycks Interesse an der indisch-orientalischen Musiktradition. So verbrachte er ein halbes Jahr in Indien, um dort westlich-europäische Musik zu unterrichten und gleichzeitig mit Ustad Vilayat Khan zu studieren. Zudem trat er mit dem Delhi Symphony Orchestra auf. Im Jahre 2000 wurde Hassan Dyck Mitglied der italienisch-deutschen Formation Fanâ, die westliche Musik mit Elementen aus der spirituellen Tradition des Ostens verbindet und bei ihren Auftritten von einer Gruppe von «Drehenden Derwischen» begleitet wird.
Heute erzählt er vor allem Geschichten, wobei er sich selbst auf der Campanula – auch Cello d’amore genannt – begleitet. So auch an diesem Lager, an dem er 2 Suhbats (Gespräche) hielt und mit seinen beiden Musikern ein Konzert gab.

Hassan Dyck betonte, dass sich der vollkommene menschliche Charakter durch Respekt, Vertrauen und Liebe in reiner Form auszeichnet. Auf der anderen Seite gehören Gier, Neid und Stolz zu den schlechten Eigenschaften des Menschen. Durch das Befolgen der Sunna des Propheten (a.s.) wird der Charakter des Menschen gereinigt.
Der Scheykh ging auch auf die Aufgaben von Herz und Verstand ein. Er verglich das Herz mit einem König, dessen Minister der Verstand ist. Nur so ist es möglich, die negativen Treibkräfte des Menschen zu kontrollieren. Leider ist es aber heute oft so, dass der Verstand die Stellung des Königs innehat.

Zu der Tradition des Sufitums erklärte er, dass der Ursprung der Kette der Sufimeister beim Propheten Muhammad (a.s.) liegt. Abû Bakr (r.a.) übernahm von ihm dann sowohl die äussere (Kalifat) wie die innere (geheimes Wissen) Herrschaft. Erst später wurde diese Dualität aufgelöst, indem `Umar (r.a.) nur das äussere und Ali (r.a.) das innere Wissen übernahm. Von ihm spalteten sich dann 40 Reihen von Sufimeistern ab.

Parallel zu den Vorträgen wurden auch dieses Mal wieder ein Islamunterricht und ein Musikworkshop für Kinder durchgeführt. Im Islamunterricht setzten sich die Kinder mit der Sura «Al-Fatiha» auseinander. Sie analysierten die Verse und erarbeiten ihre Bedeutung. Im Rahmen des Musik-Workshops erarbeiteten die Kinder in einzelnen Gruppen einen Songtext, den sie dann mit einer passenden Melodie musikalisch unterlegten. Am Sonntag stellten dann alle Kinder ihre Arbeiten vor. So entstand wieder ein kleines Live-Konzert, das die Anwesenden mit lang anhaltendem Beifall bedachten. Auch dieses Mal konnten die Kinder wieder eine CD mit allen Liedern als Andenken mit nach Hause nehmen.

Nach dem anschliessenden gemeinsamen Mittagessen und Mittagsgebet machten sich die Teilnehmer ans Aufräumen und Packen, so dass alle erschöpft aber müde ihren zum Teil recht weiten Heimweg antreten konnten.

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