20. Islamisches Lager, Jaun (FR), 2010

Trotz nicht ganz optimalem Wetter haben die diesjährigen Teilnehmer wieder ein schönes Wochenende in entspannter Atomsphäre verbracht.

Bericht von Hamit Duran, Turgi

Das islamische Familienlager, das vom 11. bis 13. Juni 2010 wieder am Fusse des Jaun-Passes im Kanton Fribourg stattfand, konnte ein kleines Jubiläum gefeiert werden: Zum zwanzigsten Mal jährte sich dieses traditionsreiche Ereignis. Mit über 100 Teilnehmern waren die beiden angemieteten Häuser «Gastlosen» und «Körblifluh» auch dieses Jahr vollständig belegt. Aufgrund des attraktiven Programms hatten sich noch viel mehr Teilnehmer angemeldet, konnten aber aufgrund des Platzmangels nicht berücksichtigt werden.

Ein Film über die Wallfahrt nach Mekka aus Sicht von Muslimen

Das Lager begann am Freitagabend mit dem 45-minütigen Film über die Wallfahr». In diesem Dokumentarbeitrag von «National Geographic» wurden Muslime aus 3 Kontinenten auf ihrer Reise nach Mekka begleitet: ein Afrikaner, ein Asiate und eine Amerikaner. Wie bereitet sich jeder vor? Was beschäftigt ihn? Was hat er oder sie für Erwartungen und Hoffnungen? Werden diese erfüllt? Mit welchen Erfahrungen und Erkenntnissen kehren sie zurück? Diese und andere Fragen wurden in dem Film thematisiert und boten anschliessend reichlich Stoff für Diskussionen.

Amir Zaidan über Säkularismus und Islam

Der Besuch von Amir Zaidan, dem Leiter des Islamologischen Instituts in Wien gehörte sicherlich zu den Höhepunkten dieses Lagers. Am Samstagmorgen sprach er zunächst über das Thema «Islam und Sakularität». Der Säkularismus, der gemeinhin als institutioneller und mentaler Prozess der Trennung von Kirche und Staat verstanden wird, muss nicht unbedingt im Widerspruch zum Islam stehen, denn die Schariah ist nicht (wie im Christentum) göttliches Gesetz, sondern Gebot göttlichen Ursprungs. Auch kennt der Islam die Gewaltenteilung, die Richter im islamischen Staat sind also unabhängig. Im Gegensatz dazu ist der Prozess der Säkularisierung, der im europäisch-christlich geprägten Kulturbereich entstanden ist, gegen die Kirche und ihre Institutionen gerichtet mit dem  Ziel der Trennung von Kirche und Staat, wobei dabei nicht selten vom einen ins andere Extrem gewechselt, wie das Beispiel der maoistischen Diktatur von Enver Hoxha in Albanien in der 1960er Jahren zeigte.

Krankheit verhindert Teilnahme von Ammar114

Gegen Mittag hätte eigentlich Ammar114 zum Lager stossen sollen, um sich am Nachmittag mit den vielen Jugendlichen zu beschäftigen. Leider musste er aber kurzfristig absagen, da ihn eine akute Magen-Darm-Grippe heimgesucht hatte und er dadurch nicht reisefähig war. Dies war natürlich eine grosse Enttäuschung für die Jugendlichen, die sich sehr auf ihn gefreut hatten. Glücklicherweise war das Wetter gut genug, so dass sich genügend Gelegenheit für Sport und Spiel bot.

Abwechslungsreicher Postenlauf

Posten_Medizin_und_GesundheitDer letztes Jahr zum ersten Mal durchgeführte Postenlauf war derart erfolgreich, dass sich die Organisatoren entschlossen, auch dieses Jahr wieder etwas ähnliches anzubieten. So standen dieses Mal Themen wie «Geschichte des Islam in der Schweiz», «Islam in Südostasien», «Wie macht man Feuer?», «Gesundheit und Medizin im Islam» und «Morsen» auf dem Programm.

Wanderungen, Ausflüge und Sport am Samstagnachmittag

Auch dieses Jahr konnten die Teilnehmer aus einer Vielzahl von Freizeitaktivitäten wählen. Eine Gruppe entschied sich für die anspruchsvolle Wanderung auf den Gastlosen, der sie mit einer herrlichen Aussicht belohnte. Andere zogen es vor, das im April 2010 eröffnete «Maison Cailler» in Broc zu besuchen. In der Cailler-Show lassen multimedial inszenierte Räume spannende Geschichten rund um den Kakao und die Schokolandeherstellung lebendig werden. Natürlich kann auch nach Lust und Laune von der Schokolade gekostet werden.

Andere wiederum zogen es vor, die grosse zum Hause gehörende Spielwiese für sportliche Aktivitäten zu nutzen oder einfach nur zu faulenzen.

Ein Novum: Kaminfeuergespräch

Kaminfeuergespräch mit Amir ZaidanAm Samstagabend stand ein Novum auf dem Programm: 0ein Kaminfeuergespräch mit einer prominenten Person. Eigentlich hätte dieses mit Amir Zaidan und mit Ammar114 durchgeführt werden sollen. Aufgrund der Verhinderung Ammars mussten wir uns «nur» mit Amir Zaidan begegnen, was aber gar nicht so schlecht war, da so mehr zur Verfügung stand.

In dem spannenden Gespräch erfuhren wir, dass Amir Zaidan in den 80er Jahren nach Deutschland gekommen war, um Mathematik zu studieren. Der Tod seines Vaters aber bewog ihn, sich grundsätzliche Gedanken über den Sinn seines Lebens und das Leben nach dem Tod zu machen. Er erinnerte sich an den Hadith des Propheten, in dem dieser sinngemäss sagte, dass der Mensch nach seinem Tode nur in drei Fällen von seinen guten Taten weiter profitieren wird: durch Kinder, die nach seinem Tode Bittgebete (Du’âs) für ihn sprechen, durch von ihm finanzierte gemeinnützige Einrichtung, die nach seinem Tode weiter genutzt werden und durch das Wissen, das er zu seinen Lebzeiten weitergegeben hat. Das bewog ihn dann dazu, sich dem Studium des Islam zuzuwenden und wissenschaftliche Werke in die deutsche Sprache zu übertragen.

Das Lager fand seinen Abschluss am Sonntagmorgen mit einem Vortrag von Mustafa El Aswad von «Islamic Relief», der das Leid der Bevölkerung in Palästina auf eindrückliche Art und Weise thematisierte. Die erfolgreiche Versteigerung einer in Palästina von Hand gefertigten Kerzenhalter seinen Höhepunkt fand.

Nach einer Feedbackrunde und dem obligaten Aufräumen und Putzen konnten die Organisatoren das Haus wieder übergeben und sich ebenfalls auf den Heimweg machen.

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