23. Islamisches Lager, Schwarzsee (FR), 2013

Rund 110 Personen nahmen trotz unsicherem Wetter am diesjährigen Islamischen Lager teil.

Bericht von Hamit Duran, Turgi

Scheykh HassanAuch dieses Jahr wurden die Organisatoren wieder mit Anmeldungen überhäuft. Es meldeten sich über 140 Personen an, und obwohl wir dieses Mal zusätzlich zwei grosse Spatz-Zelte, die je 8 Personen Platz bieten, aufgestellt hatten, konnten leider auch dieses Jahr nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden. So waren es am Ende rund 110 Personen, die sich trotz der unsicheren Wetteraussichten im Haus der Jugend in Schwarzsee versammelten.

Der Freitagabend begann traditionsgemäss mit «leichter Kost»: Wir sahen uns den Film «Die Ärzte der Kalifen» aus der 3SAT-Reihe «Im Banne der Grünen Götter» an, in dem es um den Arzt Avicenna (arab. Ibn Sina), der von 973 – 1037 lebte, geht. Er verfasste den «Kanon der Medizin», der das gesamte medizinische Wissen des Hohen Mittelalters zusammenfasst und lange Zeit als Standardwerk der abendländischen Medizin galt. Der Film geht dabei dem geheimen Wissen des berühmten muslimischen Arztes auf nach, um festzustellen, dass Ibn Sina seiner Zeit weit voraus war.

Einführung in die islamische Mystik

Scheykh Hassan Dyck, der dieses Jahr der Hauptreferent war, führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Welt des Tasawwuf, der islamischen Mystik ein. Er selbst bezeichnet sich als eine «Möchtegern-Sufi» denn der Sufi ist ein sich Hingebender, einer, der sein ganzes Leben mit allem was er hat, Allah (t.) hingibt. Diese Hingabe war zur Zeit des Propheten Muhammad (a.s.) selbstverständlich.

So wie die Gefährten des Propheten (a.s.), die Sahaba, durch das Zusammensein mit ihm lernten und ihre Charakter vervollkommneten, so lernen die Sufis durch das Zusammensein mit ihrem Scheykh oder Meister.

Hassan Dyck berichtete auch davon, dass die Gefährten auch Wissen von Herz zu Herz, also ohne Worte, vom Propheten (a.s.) bekommen haben. So soll Abu Huraira (r.a.) einmal gegenüber den anderen Gefährten gesagt haben, dass er vom Propheten zwei Arten von Wissen vermittelt bekomme: Das eine Wissen darf er weitergeben, das andere Wissen jedoch würde, falls er es weitergeben würde, dazu führen, dass ihn die andere Gefährten töten würden. Jemand, der sich in dieser Materie gut auskennt ist Scheykh Husamuddin Meyer in Deutschland (siehe z.B. http://www.sufi-braunschweig.de/Sheikh-Husamuddin-Meyer.htm). Bei ihn kann man sich über dieses Thema weiter informieren.

Wichtig ist für den Sufi, dass das Lernen ein Weg der Wandlung ist. Daher ist es zentral, dass der Sufi anwendet, was er weiss. In diesem Zusammenhang erwähnte der Scheykh auch den bekannten Hadith, bei dem der Prophet (a.s.) Besuch von einem in weiss gekleideten Mann erhielt. Er setzte sich zum Propheten, legte seine Hände auf seine Oberschenkel. und sagte, er soll ihm über den Islam berichten. Der Prophet antwortete mit der Aufzählung der fünf Säulen des Islam. Der Besucher bestätigte daraufhin die Richtigkeit, was zu grosser Verwunderung bei den anwesenden Gefährten führte. Danach fragte er ihn über den Glauben, (arab. Imân). Der Prophet antwortete mit den Grundsätzen des islamischen Glaubens (Glaube an Allah, an die Engel, an die offenbarten Schriften, an die Propheten, an den Tag des Jüngsten Gerichts und daran, dass es eine Vorherbestimmung gibt und dass alles Gute und Böse von Allah kommt). Auch dies wurde vom Besucher bestätigt. Schliesslich fragte er ihn über Ihsân (das rechte Tun). Der Prophet antwortete ihm, dass der Fragende es besser wisse als der Befragte. Trotzdem insistierte der Besucher und der Prophet sagte, dass Ihsân die Hingabe an Allah ist, als ob man Ihn vor sich sehen würde. Und auch wenn wir Ihn nicht sehen, so sieht Er uns doch. Danach verabschiedete sich der Fremde wieder und ging. Nach einer Weile sagte der Prophet (a.s.), dass der Besucher der Erzengel Dschibrîl (a.s.) gewesen war, der zu den Gefährten gekommen war, um ihnen ihre Religion (arab. Dîn) zu lehren.

Daraus lernen wir, dass unsere Religion aus messbaren und nicht messbaren Teilen besteht. Islam ist messbar (z.B. täglich fünf Gebete, einen Monat fasten etc.). Imân und Ihsân sind aber nicht messbar, denn zum Ihsân gehört auch das gute Benehmen (arab. Akhlâq). Wenn nur einer der drei Teile fehlt, ist unsere Religion nicht vollkommen. Daher brauchen wir für alle drei Teile auch entsprechende Lehrer. Und um das geht es im Tasawwuf.

Es gibt insgesamt 41 grosse Sufi-Orden. Einer davon ist der Naqschibandi-Orden, dem auch Scheykh Hassan Dyck angehört. Die Inhalte beruhen auf einem Wissen, das der Prophet (a.s.) dem Gefährten Abu Bakr As-siddîq (r.a.) übergeben hat. In einem Hadtih sagte der Prophet (a.s.), dass alles, was Allah (t.) in seine Brust gegossen hat, er in die Brust von Abu Bakr (r.a.) gegossen habe. Dieses Wissen wurde dann von Generation zu Generation weiter gegeben. Andere Sufi-Orden erhielten ihr Wissen z.B. über den Gefährten Ali (r.a.).

Einige Aussagen des Scheykh führten zu angeregten Diskussionen, z.B., wenn er über «Heilige», das Beten an Gräbern von verstorbenen Meistern oder Küssen von Händen oder Füssen sprach. Auch seine Ansichten über andere muslimische Strömungen stiessen nicht immer auf uneingeschränkte Zustimmung bei den Zuhörinnen und Zuhörern.

Natürlich gab es auch immer wieder die Möglichkeit, mit Scheykh Hassan im gemeinsamen Dhzikr die Praxis des Tasawwuf näher kennen zu lernen.

Jugendaktivitäten und die schwierige Lage syrischer Flüchtlinge

JugendlicheAufgrund des grossen Erfolgs im letzten Jahr wurde auch dieses Mal wieder ein Filmworkshop für Jugendliche unter der Leitung von Bruder Alper Altintas angeboten, während die kleineren Kinder mit Schwester Laila Oulouda, als Vorbereitung auf den anstehenden Ramadan einen schönen Ramadankalender bastelten. Die Vorstellung der Arbeiten am Sonntagmorgen fand wieder sehr grossen Anklang bei den Eltern und allen anderen Anwesenden.

Leider konnten dieses Jahr niemand von «Islamic Relief» oder «Muslime Helfen» teilnehmen. Dafür hatten wir die Schwester Hanan Zarah aus Syrien zu Gast. Sie berichtete auf sehr eindrückliche Art und Weise über die schwierige Situation der syrischen Flüchtlinge in Syrien und Libanon. Sie stellte dabei die Arbeit der «Ash-Sham CARE» vor, einer Organisation für Soforthilfe und Wiederaufbaumassnahmen, welche z.B. in Libanon ein Gebäude erworben hat, das Flüchtlingsfamilien Schutz und Zuflucht bietet. Weitere Informationen können auf deren Facebook-Seite abgerufen werden: https://www.facebook.com/AshShamCARE. Eine spontane Spendensammlung sowie eine kleine Versteigerung brachten immerhin einen grösseren vierstelligen Betrag, alhamdulillah. Dieser wird den Flüchtlingsfamilien zugute kommen.

Vielfältige Freizeitaktivitäten

Wie jedes Jahr stand der Samstagnachmittag zur freien Verfügung. Ein Teil der Teilnehmer wählte dieses Jahr den ca. 4 km langen, sehr kurzweiligen Rundgang um den Schwarzsee. Ein paar ganz Verwegene nahmen die Wanderung über die Riggisalp auf den 2185 m hohen Kaiseregg in Angriff. Natürlich liessen es sich auch dieses Jahr die ganz Mutigen nicht nehmen, um mit den Monster-Trottinetts die Riggisalp hinunter zu sausen, während andere sich auf der Sommerradelbahn vergnügten.

Alles in allem kann auch in diesem Jahr wieder eine positive Bilanz gezogen werden, so dass sich alle schon jetzt auf das Lager im nächsten Jahr freuen.

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